Bohemia-Interactive wurde durch das 2001 veröffentlichte Videospiel „Operation Flashpoint“ bekannt. Das Spiel gilt als Meilenstein im Genre der Taktik-Shooter. Es folgten die Spiele „ArmA: Armed Assault“ (2006) und „ARMA 2“ (2009). Letzteres wird vom Entwickler mit den Worten „Die ultimative Militärsimulation“ beworben. Im Frühjahr 2012 soll „ARMA 3“ folgen. Auf der Gamescom 2011 beantwortete Martin Vaňo, Senior Designer bei Bohemia-Interactive, einige Fragen zur Verbindung der Videospiel-Serie mit dem echten Militär und der Rüstungsindustrie – das Interview ist eine Ergänzung zum kürzlich auf Militainment.info erschienenen Artikel über das tschechische Entwicklungsstudio.
Militainment.info: Arbeiten Sie bei der Entwicklung ihrer Videospiele mit dem Militär zusammen?
Martin Vaňo: Wir haben viele militärische Berater, meist sind es ehemalige Marines oder sie waren Mitglieder von Spezialeinheiten. Ehemalige Soldaten haben den Vorteil viel offener über ihre Erfahrungen im Militär und im Einsatz sprechen zu können als Aktive, die oft zu Verschwiegenheit verpflichtet sind. Die Ex-Soldaten arbeiten eng mit uns zusammen und erklären uns wie Kämpfe im Krieg ablaufen und sich anfühlen. So können wir das Spiel nach ihren Erfahrungen realitätsnah programmieren. Auch mit der Rüstungsindustrie arbeiten wir zusammen.
Wie sieht die Kooperation mit der Industrie denn genau aus?
Wir haben zu einer Handvoll Leuten aus der Rüstungsindustrie Kontakt: unter anderem zu Waffendesignern und Waffentestern. ARMA 3 spielt etwa zwanzig Jahre in der Zukunft, weshalb die Rüstungsexperten am besten wissen wie die Waffen der Zukunft aussehen und welche Leistungen sie haben werden. Auch die schon erwähnten ehemaligen Soldaten geben uns wertvolle Informationen über Waffen. Für Fahrzeuge nutzen wir oft Fotos um diese so originalgetreu wie Möglich im Computer zu erschaffen. Da wir mit unserem Simulationsprogramm „Virtual Battelspace“ (VBS) selbst in der Rüstungsbranche tätig sind, finden wir aber auch leicht Kontakt zu anderen Firmen der Branche.
Das „Virtual Battlespace“-Programm ist ein Trainingssimulator für Soldaten. Dabei war Bohemia-Interactive ursprünglich nur Hersteller von Videospielen. Wie kam es zu diesem Wandel?
Das war Zufall. Ein Fan von „Operation Flashpoint“ war Soldat. Er programmierte in seiner Freizeit einige Missionen für das Spiel. Gleichzeitig war er auf der Suche nach einem Trainingssimulator für echte Streitkräfte. So fingen wir an den „Virtual Battlespace 1“ mit Operation-Flashpoint-Engine und später den „Virtual Battlespace 2“ mit ARMA-Engine zu entwickeln. Etwa fünfzehn Armeen nutzen unsere Simulationssoftware heute und die Liste wächst ständig. Vor allem NATO-Streitkräfte nutzen die Software. Etwa Großbritannien und Kanada aber auch Neu Seeland und Australien. Bei der US-Armee wird der VBS von der National-Garde und den US-Marines genutzt.
Was kann mit dem Programm trainiert werden?
Die Software wird vor allem dazu genutzt den Soldaten beizubringen wie sie sich im Einsatz zu verhalten haben. Beispielsweise gibt es eine Mission bei dem der Soldat in Afghanistan ist und lernen soll Autos an einem Check-Point anzuhalten. Doch in dem Programm stoppt das Auto nicht – also was muss der Soldat tun? Die Leiter des Trainingsprogramms spielen die Insassen des Autos und der Soldat weiß nicht ob diese ihn nun Angreifen oder nur verwirrte Zivilisten spielen. Das ist aber nur eine Art den VBS einzusetzen – das Militär verwendet das Programm für viele unterschiedliche Aufgaben und jede Armee hat ihre eigenen Spezifikationen des Programms. Teilweise werden sogar realgetreue Fahrzeuge ins Spiel implementiert. Die Soldaten sitzen dann wie gewohnt in ihrem Militärfahrzeug und um sie herum wird die Trainingssoftware auf eine Leinwand projiziert.
Interview: Michael Schulze von Glaßer
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