„Erlebe die Zukunft des Krieges“

Bei der Darstellung des Militärs arbeiten Videospielbranche und Rüstungsindustrie eng zusammen – wie das bald erscheinenden Spiel „Tom Clancy’s Ghost Recon: Future Soldier“ zeigt, werden dabei sogar zukünftige Entwicklungen von Militärtechnik vorweg genommen.

Bald soll mit „Future Soldier“ der fünfte Teil der von US-Bestsellerautor Tom Clancy erdachten Taktik-Shooter-Saga „Ghost Recon“ erscheinen. Die Videospiel-Entwickler von UbiSoft versprechen ein spannendes Szenario. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines jungen Rekruten einer US-Eliteeinheit. Als Ultranationalisten den russischen Präsidenten stürzen, kommt die US-Einheit zum Einsatz.

Ghost Recon - Future Soldier

Den Krieg von Morgen will "Ghost Recon: Future Soldier" vermitteln | Quelle: UbiSoft

Bei der Waffenauswahl wurden die Spielentwickler nach eigenen Aussagen von realen Prototypen, die im Zuge des „Future Soldier 2030“-Programms des US-Militärs konzipiert wurden, inspiriert: Camouflage macht die Spielfiguren in „Ghost Recon: Future Soldier“ nahezu unsichtbar, ein Exo-Skelett verbessert die physischen Fähigkeiten und ein im Kampfanzug integrierter Mörser  verleiht dem Spieler eine enorme Feuerkraft. Damit nimmt das Spiel reale Rüstungsentwicklungen vorweg.

 

Institutionalisierte Zusammenarbeit

„Informationen, inwieweit militärische Berater für die aktuelle Entwicklung tätig sind liegen uns nicht vor“, so Karsten Lehmann, Pressesprecher von UbiSoft-Deutschland. Allerdings: „Ghost Recon: Advanced Warfighter“, der Vorgänger von „Future Soldier“ sei vom UbiSoft-Studio „Red Storm Entertainment“ nahe dem Militärstützpunkt Fort Bragg, einer der größten Armee-Komplexe der Welt, im US-Bundesstaat North Carolina entwickelt worden. Die geografische Nähe wurde laut UbiSoft genutzt um Prototypen von Waffensystemen ins Spiel einzubauen. „Es liegt nahe, dass dies wieder der Fall ist“, so UbiSoft-Sprecher Lehmann. Auch wenn das Spiel diesmal nicht federführend von Red Storm Entertainment programmiert wurde, scheint sich die Zusammenarbeit zwischen Spielentwickler und Militär institutionalisiert zu haben: Mit „Erlebe die Zukunft des Krieges“ wirbt UbiSoft für das Spiel. Zudem wird auf der offiziellen Ghost-Recon-Website nicht selten über aktuelle Entwicklungen in der Rüstungsindustrie informiert, dabei wird auch auf die Internetseiten der Rüstungsproduzenten – etwa auf die des US-Militärhubschrauber-Herstellers Sikorsky – verlinkt.

Ghost Recon - Future Soldier

In "Ghost Recon - Future Soldier" besitzen die Kämpfer optische Camouflage-Anzüge | Quelle: UbiSoft

Bei Videospielen, in denen aktuelles Militär oder das der nahen Zukunft behandelt wird, greifen Entwicklungsfirmen gern eine Kooperation mit den Herstellern der im Spiel dargestellten Rüstungsgüter auf. So wurde das actionreiche Luftkampfspiel „Tom Clancy’s H.A.W.X. 1“, welches ebenfalls von UbiSoft hergestellt wurde, gleich von sechs Rüstungsfirmen unterstützt: Boeing, Dassault Aviation, Eurofighter Typhoon, Lockheed Martin, Northrop Grumman und Saab. Beim Nachfolger „H.A.W.X. 2“ kamen zu den sechs noch der britische Rüstungskonzern „BAE Systems“ und der US-Konzern „Bell Helicopter“ hinzu: „Die neuesten Technologien der weltweit größten Verteidigungs-Unternehmen und der fortschrittlichsten Militärfirmen stehen dem Spieler in H.A.W.X. 2 zur Verfügung, darunter über 40 lizensierte Flugzeuge und Prototypen“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung von UbiSoft. Gerade bei Simulationsspielen, die nah an die Realität heranreichen sollen, wird oft mit Rüstungskonzernen zusammengearbeitet, um die Militärgeräte so detailgetreu wie möglich abbilden zu können.

Besonders bei großen Waffensystemen wie Kampflugzeugen, Hubschraubern oder Panzern hat die Darstellung in Videospielen auch einen legitimierenden Effekt für die Rüstungsindustrie. Bekommt der Normalbürger Kampfjets im Alltag kaum zu Gesicht, kann er vor dem Bildschirm mithilfe eines Videospiels gleich selbst ins Cockpit einsteigen. Und wenn der Bürger erst einmal vom High-Tech-Waffensystem begeistert ist, fällt es leichter die meist horrenden Kosten der Waffensysteme zu legitimieren.

 

Kein Frieden mit Kriegsspielen

Stephan Möhrle, Vorstandsmitglied des Freiburger „RüstungsInformationsBüros“ (RIB e.V.) sieht für die Militärindustrie noch einen weiteren Vorteil: „Die Industrie hat natürlich ein Interesse daran, ihren Namen zu präsentieren.“ Am Bekanntheitsgrad könne man auch den Wert eines Unternehmens messen. Als Beispiel nennt Möhrle den deutschen Kleinwaffenhersteller „Heckler & Koch“ aus Oberndorf am Neckar, dessen Pistolen- und Gewehrmodelle „MP5“ und „G36“ in nahezu jedem First-Person-Shooter spielbar seien. Eine Nachfrage des Autors, ob „Heckler & Koch“ Videospielproduktionen unterstütze oder wenigstens Lizenzen zur Darstellung ihrer Waffen an die Spielfirmen vergebe, blieb unbeantwortet. Besonders zur Kooperation deutscher Rüstungsunternehmen sowie der Bundeswehr mit Videospielherstellern ist kaum etwas bekannt.

Ghost Recon - Future Soldier

Ein Exo-Skelett verleiht dem Soldaten übermenschliche Kräfte und wird aktuell auch in der Realität von Rüstungsfirmen entwickelt | Quelle: UbiSoft

Beängstigend findet Stephan Möhrle die Ankündigung neuer Waffensysteme wie die optischen Tarnanzüge und autonomen Bodenkampfdrohnen im bald erscheinenden „Ghost Recon: Future Soldier“: „Das gibt einen Gewöhnungseffekt – die Spieler gewöhnen sich an den Anblick der Waffen“, so Möhrle. Der Bevölkerung solle klar gemacht werden, dass die in den Videospielen dargestellten Waffen etwas ganz normales seien: „Zudem werden die Waffen in einem positiven Licht dargestellt weil damit im Spiel ja vermeintlich Gutes getan wird. Das kommt der Rüstungsindustrie für ihr Image-natürlich zugute“, erklärt das junge Vorstandsmitglied des „RüstungsInformationsBüros“.

Wäre es also besser, wenn in Videospielen nur noch fiktionale Waffen dargestellt würden, die sich auch nicht in der Entwicklung befinden? Nein, meint Stephan Möhrle: „Auch wenn wir in die Science-Fiction hineingehen sehen wir, dass die Waffen früher oder später real entwickelt werden. Zudem greifen auch vermeintlich erdachte Waffen oft auf reale Systeme zurück.“

Ein Ende der Darstellung von Waffen und Gewalt – und damit vor allem auch ein Ende des finanziell erfolgreichen Genres der First-Person-Shooter – ist im Moment aber utopisch. So werden Krieg und Militär wie in „Ghost Recon: Future Soldier“ wohl auch weiterhin beliebte Spielszenarien geben. Die nächsten Kriegsspiele stehen schon in den Startlöchern: für Herbst wird die Veröffentlichung von „Battlefield 3“ erwartet, welches wohl neue Maßstäbe in dem Genre setzen wird. Anfang November wird in „Call of Duty – Modern Warfare 3“ der Dritte Weltkrieg aus den Vorgängerspielen fortgeführt – friedlicher wird die Welt dadurch jedenfalls nicht.

Michael Schulze von Glaßer

9 Responses to “„Erlebe die Zukunft des Krieges“”


  • Und weshalb sollte die Welt „dadurch jedenfalls nicht“ friedlicher werden?
    Wo passiert denn tatsächlich „Krieg und Militär“ in diesen Spielen?
    Warum sollten Menschen wie ich welche solche Spiele jedenfalls grundsätzlich schätzen Militär überhaupt in ihren Lebenswirklichkeiten haben wollen? Oder gar Krieg?
    Leider finde ich die künstlerische Neuausrichtung von „Future Soldier“ gegenüber der Vorstellung auf der E3 im letzten Jahr ja fürchterlich – dennoch: ich würde mir sogar mehr Integrationen von Leid, wie etwa durch Kriegsverbrechen verursacht, bei den Gewaltdarstellungen in Videospielen wünschen. Das ja auch für wichtig halten – eine Auseinandersetzung damit – und ja ich schätze Videospiele allgemein vor allem da sie sich als Ausdrucksform diesen Themen bislang jedenfalls noch nie verschlossen haben – vielleicht auch doch einem öffentlichen Druck dabei stand gehalten -, was soll daran ebenfalls verwerflich sein?

    Woher kommen bloß all diese Anmaßungen und Unterschätzungen?
    Wieso sollte das kein akzeptabler, ja sogar wünschenswerter Umgang damit sein? Bloß weil Ihnen und Anderen so das nicht gefällt?
    Ich urteile auch nicht darüber was Ihnen womöglich behagt. Was Sie gut finden: so habe ich etwa eigentlich tiefen Respekt vor einer Friedensbewegung, selbst wenn ich noch in meinem persönlichen Alltag über sie wie hier scheinbar dermaßen angegriffen werde, auch wenn mir ihre Ziele vielfach fragwürdig und nicht erstrebenswert erscheinen. Ich möchte jedenfalls eigentlich nichts Negatives über die Absicht sagen Frieden haben zu wollen – das verbietet mir zum Beispiel auch mein Glauben: selbst wenn ich der Meinung bin, dass so wie hier über das positive Wort „Frieden“ eher ein Hass auf Militär und SoldatInnen aufgebaut werden soll, den ich so wie jede Menschenverachtung nur abscheulich finden und verurteilen kann.

    Nicht jeder Mensch möchte sich für etwas besseres halten, für überlegen gegenüber „Krieg und Militär“ und sich damit die Hände nicht schmutzig machen.
    Kulturelle Sauberkeitsvorstellungen sind nunmal nicht jedes Menschen Sache. Aus meiner Sicht glücklicherweise nicht, denn dabei bestünde eigentlich auch eine historische Verantwortung dem Ausdruck anderer Menschen in dieser Hinsicht gegenüber. Dessen was alles womöglich doch (noch auch) respektabel wäre – nicht einmal offenbar akzeptabel für viele Millionen, deren gewählte Unterhaltungsform anscheinend schon breitenwirksam so für gering geschätzt wird: hier mangelt es hingegen offensichtlich bereits am kleinsten Funken an Toleranz.

    Undenkbar, dass wie in der letzten Woche in den USA, ein „Battlefield 3“ oder „Modern Warfare 3“ im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Deutschlands im Rahmen einer Sendung wie von Thomas Gottschalk oder Harald Schmidt moderiert lobend vorgestellt wird. Völlig undenkbar.

    Vielleicht meinen Sie, dass ich den deutschsprachigen Raum halt besser verlassen sollte wenn mir Ihr (aus meiner Sicht noch wesentlich weitergehender) politischer Aktionismus nicht gefällt: da muss ich Ihnen sagen, dass ich das schon längst getan hätte – leider hindert mich eine schwere körperliche Behinderung daran und ohne Hilfe schaffe ich es etwa nicht einmal auf allen Vieren bis zur nächsten Ortstafel.
    Das mag Sie jedoch alles auch nicht kümmern…

    Rassismus, das zeigen mir Ihre Ausführungen jedes Mal aufs Neue, hat keineswegs unbedingt mit Hautfarben, (sozialer) Herkunft, Geschlecht, Krankheit oder Behinderung zu tun – das wäre aus meiner Sicht in jedem Fall eine eklatant verharmlosende Verkürzung eines solchen Begriffs angesichts der Vorgänge wie zum Beispiel hier gegen „Militainment“ -, sondern kann eben schon, sowie nachdrücklich beim Geschmack und Empfinden eines jeden fremden Gegenübers beginnen. Dessen Wahrnehmungen und Rezeptionen, Interpretationen darin: denn auch ich habe als Mensch ein Recht auf meine eigene Kultur – und muss mich Ihren kulturellen Vorstellungen, derlei Normen, solcher nur allzu realer Gewalt wie Sie sie hier für mich jedenfalls zelebrieren, auf alle Fälle NICHT beugen. Ich möchte Krieg, Waffen und Gewalt in Medien, sowie vieles andere Negative auch, nicht ausgeblendet wissen, weggesehen, die Paste einer eingebildet-vorgeblichen „Zivilisation“ darüber gelegt. Deren Angaben wie vermeintlich „Gutes“, „Schönes“ oder die Affektiertheit und Arroganz ernster Zurückhaltung. Nein: das möchte ich ausdrücklich nicht.

    Theoretisch UND moralisch. Praktisch sieht das leider ganz anders aus, obwohl es in meinem Land Österreich ein strafrechtlich relevantes Gesetz gegen Verhetzung und in Deutschland eines gegen Beleidigung gibt.
    Denn Menschen wie ich sind gegen die Verachtung und ungeheuerliche Brutalität welche ihnen hier auf diesem Blog etwa entgegen schlägt nicht nur hilflos, sondern auch machtlos und können sich ohne Mittel etwa nicht einmal dagegen wehren. Es gibt hierzulande praktisch keine einzige Organisation welche ihre und damit auch meine Interessen so schützen würde: ja leider auch die hier so oft angegriffene Industrie tut das nicht. Die kümmert sich so überhaupt nicht um uns, sondern biedert sich auch in diesen Fragen lieber dem Staat an. Dasselbe mit der Medienpädagogik, anderer systematischer Medienwissenschaft etc. In Deutschland betrifft das absurder Weise sogar vielfach noch dazu die Spiele-Presse. Da sind meinem Vernehmen nach viele auch nur am Abstecken ihrer eigenen Einflussgebiete, Profilierungen etc. interessiert. Daran dass sie möglichst „gut“ dastehen.

    Wir stehen leider nicht unter Schutz der sie so vor Verhetzung und Beleidigung, Verunglimpfungen, schützen würde wie das etwa mein Wunsch wäre.
    Das ist für uns, die sich gern mit solchen Videospielen beschäftigenden Menschen wie mich, nicht vorgesehen. Das geniessen wir leider nicht und wir müssen demnach Ihre Drangsalierungen schon erdulden und ertragen. Das was Sie euphemistisch vielleicht noch bloß als „Kritik“ begreifen. Tagtäglich aufs Neue nach diesen geistigen Schlägen alle die andere Wange hinhalten.

    Manchen gefällt das vielleicht: mir nicht. Manche wollen auch insgeheim zumindest ein Gewaltdarstellungsverbot haben, ergehen sich in diesem kulturellen Normdenken, freuen sich vielleicht noch über alle möglichen Regulierungen, Zensur, wollen Schwarze Listen so überall haben – verstehen das auch als „Jugendschutz“: ich nicht. Ich verstehe unter Jugendschutz wie Medienfreiheit etwas Anderes. Etwas ganz Anderes. Tatsächlich Freiheit über Fiktionen, sofern sie keine realen Persönlichkeitsrechte verletzt, also etwa vollständig bei fiktionalen Personen. Fiktionen die hier offenbar nur allzu gern mit politischer Propaganda verwechselt werden.

    Weil es offensichtlich nicht im Gefühl liegt da verantwortungsbewusster mit dem was Kreative konsensual geschaffen haben und anderen Menschen gefällt umzugehen – etwas das ich mit meinem Gewissen niemals vereinbaren könnte. Und Gewissensfreiheit ist, wie Sie zumindest hoffentlich wissen, ein Menschenrecht.
    Sie mögen womöglich gar noch die Willensfreiheit angreifen, aber ich muss auch nicht an die Willensfreiheit glauben um zu wissen was ich wünsche, was mir gefällt – und das berechtigt. Die Handlungen eines „Call of Duty“ zum Beispiel. Nicht als (Gedanken-)Verbrechen. Oder Opfer irgendwelch konspirativ gedachter Interessen von (Rüstungs-)Konzernen, sondern als denkender und fühlender, ja auch einfülsamer, empathischer Mensch!

    Sie schalten diesen Kommentar wahrscheinlich nicht einmal frei, obwohl es das Einzige ist was ich zum Beispiel so tun kann um mich als unmittelbar Angegriffenen zu wehren. Wenigstens meine singuläre Stimme dagegen erheben. Ein zu sprechen. Nein zu sagen – das stimmt alles nicht wie wir Menschen und unsere Ausdrucksformen hier so hingestellt werden. Ich bin kein Kriegslüsterner, halte mich für keinen unmoralischen Menschen, und Videospielen bedeutet für mich immer moralisch zu handeln. Und Frieden liegt mir dabei zumindest annäherungsweise ebenso am Herzen wie Anderen auch. IMMER: gerade in Titeln wie „Call of Duty“. Nicht schweigen müssend, nein besser nicht schweigen können wollend oder noch besser nicht schweigen dürfend: wenn ich den Eindruck habe, dass hier auch für Andere gedacht Unrecht zu Recht werden soll. Und demnach Widerstand für mich zur Pflicht, einer ethischen Aufgabe und persönlichen Verpflichtung. Frei nach Berthold Brecht

    • Michael Schulze von Glaßer

      Auch kritische Kommentare werden hier freigeschaltet – für kontroverse, sachliche Auseinandersetzungen bin ich immer zu haben. Allerdings wundern mich die harschen Attacken gegen meine Person doch sehr: natürlich habe ich den Artikel nach meinen Vorstellungen verfasst und den Ansprechpartner ausgewählt. Dennoch handelt es sich dabei nicht um einen Kommentar – meine Meinung steht in dem Artikel zurück. Und genau dies hat auch zu Fehleinschätzungen Ihrerseits geführt: ich fordere keinesfalls ein Verbot von Gewalt- bzw. Kriegsspielen. Meiner Meinung nach kann Gewalt in Videospielen – da gehe ich mit der Ansicht des Publizisten und Friedensaktivisten Peter Bürger einher, von dem auf dieser Website bald auch noch ein Interview zu genau diesem Thema erscheint – sogar förderlich sein und Spieler gerade dazu bewegen (realen) Krieg sowie das Militär abzulehnen. In Spielen wie der „Battlefield“- und der „Call of Duty“-Reihe wird Krieg allerdings sehr beschönigend dargstellt und Soldaten werden zu Heroen verklärt – dies geht in die falsche Richtung. Wünschenswert wäre es, wenn die Gesellschaft in Zukunft so weit ist, dass Gewaltspiele überhaupt nicht mehr nachgefragt werden, weil sie als langweilig und unattraktiv erachtet werden. Nur so können Gewalt- und Kriegsspiele überhaupt aus der Kultur verschwinden.

      • Ich kann Ihnen leider nicht folgen.
        Wie werden bei „Battlefield“ Soldaten zu Heroen verklärt ? Können sie das anhand ein Beispiels erklären ?

        Bei dieser Reihe von Spielen handelt es sich um primär um Multiplayerspiele die recht wenig Wert auf die Vermittlung einer Story legen, sondern mehr darauf optimiert sind eine interessante Wettkampfumgebung für bis zu 64 Spielern zu bieten.
        Die Spieler betrachten diese Spiele auch vor allem aus diesem Blinkwinkel, so wird innerhalb der Fanszene lebhaft über die Ausgewogenheit einzelner Spielfunktionen diskutiert.

        Battlefield, Call of Duty, Halo, Counterstrike sind wegen ihren Multiplayer beliebt, nicht wegen der Kampange oder einer besonderen hochwertigen Story in einer Kampange.
        Counterstrike und Battlefield bieten überhaupt keine Kampange, und damit keine Story.

        Die Attraktivität dieser Spiele ergibt sich nicht aus der Gewalt, sonder aus der Tatsache das sie Spieler ansprechen die besonders gerne im Wettkampf gegen andere Spieler antreten.

        Wer will kann hier vergleiche zu Sportarten wie Boxen oder Fechten ziehen, die ebenfalls stark von Gewalt geprägt sind.
        Ziel beim Fechten ist es einen anderen Menschen aufzuschlitzen oder abzustechen, Ziel beim Boxen ist es ihn bewusstlos oder kampfunfähig zu prügeln.
        Dennoch reizt einem Boxer oder Fechter nicht die Gewalt, sondern der Wettkampf.

        Wer ernsthaft das Ziel hat solche Spiele und Sportarten abzuschaffen, kann dies nur erreichen indem er nicht die Gewalt, sondern den Wettbewerb ächtet.
        Aber ist es wünschenswert, wenn die Gesellschaft in Zukunft Wettbewerb als langweilig und unattraktiv erachte ?

        • Michael Schulze von Glaßer

          Zumindest in der Version für die Playstation 3 werden mit erreichen verschiedener Spielziele Trophäen – also Auszeichnungen wie Ehrenmedaillen – vergeben. In den „Battlefield“-Spielen (in den Neueren gibt es sehr wohl einen Kampagnenmodus und auch in „Battlefield 3“ wird es eine Einzelspielerkampagne geben) ist Heroentum aber weniger Vertreten als viel mehr in den zwei bisher erschienenen „Call of Duty: Modern Warfare“-Teilen oder etwa in „Frontlines – Fuel of war“. In letzterem Spiel opfert sich die Spielfigur sogar fü seine Kameraden.
          Ich möchte nochmal betonene, dass es mir nicht darum geht irgendetwas – sprich irgendwelche Spiele – zu verbieten. Verzicht auf Gewalt oder deren Darstellung muss aus den Menschen heraus geschehen und kann und sollte nicht „von oben“ vorgeschrieben werden. An dieser Stelle – hier – nochmal ein Verweis auf das Interview mit Peter Bürger über Jugendmedienschutz und Gewaltdarstellung in Videospielen und Filmen.

          • Ich kenne das Trophäensystem der PS3 Variante von Battlefield Bad Company I & II nicht.
            Ich kenne das Trophäensystem von Battlefield 2142* auf dem PC.
            Hier gibt es für Scharfschützen Trophäen für das erzielen eines Kopfschusses.
            Wo ist da der Unterschied zum Boxen, wo ein Kopftreffer der Kampfunfähigkeit verursacht auch als höchster Erfolg zählt ?
            Auch beim System von Battlefield 2142 dient das Trophäensystem den Wettbewerb.

            Mich wundert auch das Heroentum in Call of Duty Modern Warefare.
            Im ersten Teil „stirbt“ der Held in einer Atomexplosion, egal was er macht. Sehr heroisch.
            Im zweiten Teil wird der Held von korrupten Politikern dazu verwendet einen Krieg zwischen Russland und den USA anzuzetteln. Dazu stirbt er auch, und seine Leiche ist der Beweis für die US-Unterstütztung einer Terrorgruppe.
            Auch das ist nicht sonderlich heroisch.
            Sicher, die Spiele gehen danach mit einem neuen Protagonisten als Spielerfigur weiter, aber heroische Stimmung kam da bei mir nicht auf.

            Heroische Elemente bieten auch die ersten Teile von Call of Duty IMHO relativ wenig.
            Die sind im zweiten Weltkrieg angesiedelt, haben also den antifaschistischen Befreiungskampf gegen das Nationalsozialistische Deutschland zum Thema.
            Die Spiele selber orientieren sich dabei am Look von Kriegsfilmen wie „Saving Private Ryan“ „Enemy at the Gate“ oder der Serie „Band of Brothers“.
            Szenen aus diesen Filmen werden dabei zum Teil 1:1 in die Spielhandlung übernommen.

            Sehr heroisch geht es dabei nicht zu.
            Als russischer Soldat darf man in der ersten Mission ins feindliche Feuer stürmen, weicht man zurück wird man von den eigenen Leuten erschoßen.
            Später darf man Lockvogel für gegnerische Scharfschützen spielen.
            Ähnlich sieht es als Amerikaner oder Brite aus:
            Häufig besteht die Mission darin einfach nur zu Überleben, zum Teil dadurch das man vor dem Gegner flieht.

            *Battlefield 2142 hat die oben im Artikel genannten Zukunftsspielereien wie z.B. aktive Tarnung schon 2006 aufs Spielfeld gebracht.

            Obwohl die Entwickler DICE das Szenario hauptsächlich als Chance gesehen haben dem Spieler neue Möglichkeiten zu bieten die in einem heutigen Setting irreal wirken haben sie dazu natürlich frei verfügbare Informationen über geplante Waffensysteme verwendet.
            Eines davon sind Granatwerfer für Gewehre bei denen die Granate nicht beim Einschlag, sondern nach einer einstellbaren Entfernung in der Luft explodiert.
            Ein solches Waffensystem ist von der US-Army einmal geplant gewesen.

            Die Umsetzung im Spiel hat zu interessanten Effekten geführt. Auf einigen Servern wurde die Verwendung verboten, weil diese Waffe als unfair, übertrieben stark und zu einfach in der Anwendung eingeschätzt wird.
            Schlicht und einfach schlecht für den Wettkampf.

            Für mich spielt es übrigens überhaupt keine Rolle ob Sie den gesellschaftliche Verzicht auf Gewalt und Gewaltdarstellung durch Verbote oder andere Maßnahmen erreichen wollen.
            Ich achte jeden der auf Gewalt verzichtet, aber der Versuch die menschliche Natur zu verändern und einen besseren Menschen zu schaffen hat bislang immer in Gewalt geendet.

            Gewalt ist Teil der menschlichen Natur. Die menschliche Natur zu zügeln ist Zivilisation, und jede Zivilisation schafft dazu Regeln.
            Einige dieser Regeln beschäftigen sich mit der legitimen Anwendung von Gewalt.
            Solange beide Seiten eines Konfliktes auf Gewalt verzichten kommt man mit persönlichen Gewaltverzicht sehr gut zurecht.

            Was aber wenn eine Seite auf Gewalt nicht verzichten will ?
            Mir fallen dort die verschiedenen Vorfälle in letzter Zeit mit gewalttätigen Jugendlichen ein.
            Die meisten Menschen die diese Vorfälle beobachtet haben haben sich vorbildlich verhalten.
            Sie haben auf Gewalt verzichtet und weggeschaut. Sie haben sogar darauf verzichtet die Polizei zu rufen ( die ja ihrerseits wieder Gewalt angewendet hätte… )
            Solange Gewalt Teil der menschlichen Natur ist, sind auch Gewaltdarstellungen in der Kultur legitim.

          • Ich habe Ihnen vorgestern erklären wollen wie verletzend ich Ihre Ansinnen hier finde, oder auch analog die von Herrn Bürger – mit dessen Pamphleten über etwa „schmutzige Kriegsabenteuer“ ich mich bereits vor Jahren auseinander gesetzt habe, womöglich bevor er noch den Kölner Aufruf zumindest mit unterzeichnet hat und das später bei Heise jedenfalls teilweise wieder kritisch sehen wollte -, und finde es zwar schön, dass Sie Menschen wie mich hier auch so zu Wort kommen lassen wollen, doch muss ich halt ebenfalls feststellen, dass es offensichtlich verhallt was ich und vermutlich auch Andere Ihnen vielleicht wenigstens versuchen entgegen zu halten.
            Mit auf den Weg zu geben, mitzuteilen, zu sagen.

            Ja, wenn man fremden Menschen, so wie Sie indirekt mir, dermaßen einen Willen zu Krieg oder Gewalt, wenn auch nur medial, unterstellt, dann sollte man sich aus meiner Sicht nicht wundern, wenn das mitunter persönlich genommen wird – zum Beispiel bei eben den vielen Millionen Call-of-Duty-SpielerInnen, wovon ich auch einer bin.

            Es spielt aus meiner Sicht überhaupt keine Rolle ob da nun(mehr) etwas Ihrer Meinung nach dezidiert „verboten“ werden soll oder nicht, wobei es sowieso fraglich ist was da jeweils alles schon unter einem „Verbot“ sich bloß vorgestellt wird – das Problem beginnt, jedenfalls für Menschen wie mich, wesentlich früher: Sie sprechen etwa von „Verzicht auf Gewalt“ welcher von innen heraus geschehen soll.
            Doch gerade das nehme ich zum Beispiel als „Gewalt“ wahr: dass anderen Menschen gesagt wird wie Sie sich für ein friedliches Miteinander künstlerisch betätigen, kreativ sein, ausdrücken sollen, und wie nicht. Und das besonders problematisch noch in Fiktionen, denen Sie oder Herr Bürger über einen gewissen Realismus vielleicht propagandistische Qualitäten unterstellen. Zusätzlich noch zu Gewaltdarstellungen als „Gewalt“…

            Was bei meinem Landsmann Michael Haneke der angebliche Zynismus eines Tarantino ist, wenn im Kino Gewalt „konsumierbar“ gemacht werden soll, beginnt bei Bürger in seiner „Bildermaschine für den Krieg“ ja eigentlich schon in doch eher abstrakten Explosionen. Haneke braucht dabei auch nicht dazusagen, dass er Tarantino „verboten“ sehen will. Das wäre aus meiner Sicht auch zusehends irrelevant(er). Noch dazu einigermaßen absurd und lächerlich wie ich finde, weil auch einige von dessen eigenen Arbeiten vielfach so negativ aufgefasst werden.
            Bei Bürger ist eine Explosion im Kino – etwa in einem Rob-Cohen-Film von 2005 – meiner Einschätzung nach zumindest teilweise nach bereits ein Teil von Rüstung. Ein Fall für Abrüstung. Und schon kein Spaß (mehr)

            Das wird alles auch nicht als Interpretation oder Rezension vorgestellt, sondern tatsächlich als Fakten: jede aus meiner Sicht schier notwendige Zusammenarbeit mit Militär zum Beispiel für authentische Bilder, welche mitunter auch günstig sein können, schaffen dann gleich „Bilder für den Krieg“. Und das wird auch überhaupt nicht hinterfragt. Dieses aus meiner Sicht schlichte Vorurteil wird völlig unkritisch verfolgt.
            Herr Bürger mag zwar Gewaltdarstellungen als Mahnungen, ähnlich wie Haneke, einräumen, wenn die Gewalt dabei wie Haneke sagt als nicht konsumierbar dargestellt wird, diffamiert wird, das kann für mich jedoch bloß in Überlegenheitsdünkel, Arroganz und (moralischen) Chauvinismus enden.
            Mir geht es wie Eli Roth darum einen Umgang mit Gewalt herzustellen, durchaus auch über eine Freude an Gewaltdarstellungen, Spaß an Gewalt wie zum Beispiel in Videospielen. Nicht auch, sondern eher nur so kann einem Schrecken von Gewalt begegnet werden – nicht durch andere Gewalt welche über das Denken und den Ausdruck der Menschen bestimmen will, ob über Verbote oder halt anders, sondern durch Überhöhungen, Ironisierungen oder Verlagerungen. Nicht durch Überzeugungen und/oder solche Missionsarbeit. Moralischem Aposteltum.

            Dabei können die Videospiele für mich Gewalt zwar auch ernsthaft transportieren, (melo)dramatisch bedrückend, tragisch, und ich habe auch schon sehr oft in Videospielen geweint, aber ich weiß, dass es zum Beispiel viele Leute gibt die daran nicht glauben. Das nicht so empfinden. Und das muss ich für mich so auch berücksichtigen.

            Wie viele Inhalte von Videospielen so ein Denken wie es zum Beispiel Bürger aus meiner Sicht traditionell vorstellig macht unmittelbar betreffen würde lässt sich für mich dabei gar nicht abschätzen, denn wie auch Jürgen Fritz einmal festgestellt hat gibt es kaum Videospiele in denen keine Gewalt vorkommt. Die kein „Gewaltspiel“ wären. Worin etwas nicht weggenommen wird – verschwindet, irgendwie explodiert. Bis hin zu Tetris. Auch wenn man das in Deutschland über die USK zum Beispiel bei abstrahierteren Darstellungen scheinbar leugnen möchte: vielleicht sehen Sie oder Herr Bürger die Gewalt und den Krieg dort ja auch nicht. Oder ist Ihnen wie dem Spiegel Massenvernichtung in Abstraktionen wie „Defcon“ auch noch ideologisch genehm(er), weil es am Ende keinen eindeutigen Sieg gibt. Und man das als „Lehre“ ja auch immer verbreiten möchte, verkaufen so nach dem Motto, dass sich Gewalt angeblich nicht auszahlen würde…

            Für mich ist das eher eine Leere, denn das ganze Leben besteht für mich mitunter aus Kampf und Gewalt: von der Geburt über Unwetter bis zum Tod, wenn – frei nach Thomas Bernhard – die Maden einem gewalttätig bespringen.
            Was Sie darunter verstehen ist anscheinend jedoch stets Anderen Schaden zuzufügen. Und gerade das finde ich so verletzend: wenn ich einem Anderen in Call of Duty in den Kopf schiesse ist das möglicherweise „nur“ Sport, ein bei meinen Fähigkeiten glückliches Gelingen, reflektiere ich vielleicht aber auch über meine Stellung in der Welt, und ja: ebenfalls die Kriege welche es gibt. Doch was ich sicher nicht tue ist den deswegen real umbringen wollen. Oder dessen Mord so zu für real simulieren – auf die Idee käme ich gar nicht – gleich wenig wie ein Schauspieler, der auf einer Bühne einen Kollegen mit Platzpatrone erschiesst und beim theatralisch Getroffenen anschliessend Theaterblut fliesst den umbringen wollte. Oder ein Umbringen für später auf der Strasse eingeübt hat.
            Und der bekommt dafür gar keine Punkte gutgeschrieben, vielleicht höchstens eine Gage ausbezahlt…

            Ich halte Videospiele so vielfach für demokratisiertes Theaterspielen. Die Stücke welche aufgeführt werden mögen Ihnen bloß nicht gefallen.

            In den so beliebten Team-Deathmatches von „Call of Duty: Black Ops“ geht es nicht darum möglichst viele Leute umzubringen, „völkerrechtswidrige Kriege“ vorzubereiten oder zu legitimieren, sondern darum wer als Erstes 7.500 Punkte erreicht.

            Im Unterschied zu etwas wie Völkerball, das ich persönlich nicht gut kenne, gibt es etwa bloß einen Bezug zu Zeitgeschehen der als Krieg und Mord, Umbringen erscheint. Und gerade den finde ich auch gut so: weshalb sollten sich Menschen so auch nicht mit ihrer Zeit beschäftigen – das frage ich mich…
            Manchen sind vielleicht Beziehungskonflikte lieber, halten diese auch für „reifer“: Schlachtfelder wie Ehen, ja. Ich halte diese jedoch vielfach auch bloß für StellvertreterInnenkriege…
            Ich denke darüber hinaus auch nicht so bürgerlich – in solchen Kategorien: bin kein bürgerlicher Mensch.
            Ich habe auch einen sehr proletarischen Hintergrund. Und wie es hier schon Anklang nehme ich zum Beispiel auch äußerst ungut wahr, dass besonders viel Hass gegen Videospiele und andere unliebsame, offensivere Ausdrucksformen aus der Nähe eines sozialdemokratischen bis sozialistischen, linken Bildungsbürgertums geschürt wird. Also gerade von dort wo oft geglaubt wird, dass dort eigentlich häufig wirklich ein Fortschritt zu Hause sein sollte. Stattdessen ist es so jedoch die Repression, wenn schon nicht Reaktion und autoritäres Denken. Wo so über das Leben anderer Menschen illiberal bestimmt werden möchte. Nicht bloß aus der Schweiz. Im Sinne eines eher kollektiven als individuellen Freiheitsgedankens, von Normen, der sich dann vielleicht noch mit einem entsprechenden Christentum verbindet. Als kritischer Katholik weiß ich leider nur allzu gut, wie kompatibel eine nicht unproblematische katholische Soziallehre mit den ganzen „globalisierungskritischen“ Anliegen dabei auch sein kann.

            Auch in Tetris oder Fußball gibt es für mich zum Beispiel Gewalt. Ich sehe den Kampf mit den Blöcken in Tetris sehr wohl, und sehe auch, dass im Fußball Tore geschossen (sic!) werden.
            Eine der größten Leistungen von „Battlefield“, „Call of Duty“ und Co. ist für mich dabei gerade, dass sie diese Gewalt sichtbar machen: wenn im Fußball ein Stürmer kräftig ins Tor schießt jubeln die Leute.
            Ich leide an der Glasknochenkrankheit: wäre ich zwischen dem Ball und dem Tor gestanden wäre ich vielleicht tot. Das wäre für Leute wie mich unter Umständen auch nicht viel anders als das ballistische Projektil aus einer Schusswaffe. Jubeln die Leute dann auch noch? Eher nicht.

            Und so ist Fußball genau soviel oder sowenig Zivilisation wie Call of Duty für mich. Ich spiele auch gern Video-Fußballspiele, sehe aber eben auch, dass das so einiges verschweigt, kaschiert, beschönigt. Also Call of Duty halte ich im Zweifelsfall schon für wertvoller, wesentlicher und wichtiger als die gefälligen Abstraktionen von Fußball.

            Ich hab auch noch von keinen realen Gewaltausbrüchen auf LAN-Parties gehört, im Gegensatz zu Fußballspielen. Und ja: also auch Fußballspiele sind für mich immer Fiktionen von Kriegen.

            Meine sehr geschätzte Landsfrau, die Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, mit der ich sicher auch nicht überall einer Meinung bin – besonders dann nicht wenn es um manch einen sexuellen Ausdruck gehen wird -, hat das problematische Verhältnis zwischen Sport und Militär bereits ebenfalls populär beschrieben. Viele weniger populäre Sportarten stehen hier in Österreich auch unmittelbar mit dem hiesigen Bundesheer in Verbindung. Das Heer fördert diese so, ermöglicht vielen SportlerInnen Gelegenheiten, und das find ich auch gut so.
            Doch man kann sicher sagen: ich mag das alles nicht, weder Sportverein noch Heer, das braucht es meinetwegen alles nicht zu geben, ja. Aber anderen vorwerfen dass es das gibt? Was soll das für eine „Kritik“ sein – für mich jedenfalls keine welche wesentlich anders gelagert ist als gegebenenfalls eine an Hautfarben.

            Wenn das Leben von Menschen selbst schon nicht angegriffen wird, und das scheint gerade in Deutschland ein fragwürdiger Maßstab der Empörung zu sein, Bezugnahmen zu Rassismus etc. findet man so erfahrungsgemäß immer gleich „ungeheuerlich verharmlosend“, dann ist es immerhin eines das sich in das Leben der Anderen einmischt. Alltags- und Kulturfaschismus für mich. Oder zumindest Illiberalität. Auch ganz ohne dezidierte (weitergehende) Verbotsforderungen. Und zwar in Leben die sich ansonsten ungestört vielleicht wohler fühlten – wo tatsächlich Konsens über Fußball, Battlefield oder Call of Duty herrscht. Wo man sich einig ist, dass man das eine oder andere gut findet.

            Und dagegen nichts zu haben, das finde ich ungeheuerlich verharmlosend.

            Ich habe Verständnis, wenn politischer Extremismus dadurch eingedämmt werden soll – doch frage ich mich ernsthaft wo der hier zu finden wäre: so nehme ich gerade „Modern Warfare“ als politisch ziemlich korrekt wahr, und halte ich gerade deshalb auch für einigermaßen uninteressant – eindeutige Feindbilder werden dort, wenn überhaupt, zum Beispiel eher bloß im Inneren gesucht und gefunden. In den eigenen Reihen. Absolut Hollywood-kompatibel – wo man, aus meiner Sicht leider, ja auch eher versucht Ungemach, Unbequemheit, aus dem Weg zu gehen.
            Zwar leistet „Modern Warfare“ wenn man so will Kriegszustände etwa vom fernen „Hindukusch“, anscheinend ein Lieblingswort hier, vor diverse westliche Haustüren zu bringen, und somit schon auf etwas aufmerksam zu machen was alles schief läuft auf der Welt, oder halt schief laufen kann, doch das wars mehr oder weniger auch schon.
            Über den Zustand einer Welt sagt „Modern Warfare“ nur wenig

            „Medal of Honor“ und vor allem „Homefront“ finde ich da schon spannender, weil im Letzteren John Milius offensichtlich auch auf gewisse Fehlentwicklungen aufmerksam machen wollte. Den (US-)Immobilienmarkt oder die Energiekrise. Wenn man sich zum Beispiel zu sehr von Erdöl abhängig gemacht hat und zu wenig auf andere, erneuerbare Energien gesetzt.
            Im Vorgänger „Frontlines“ wurde das ja auch bereits angedeutet.
            Ideologisch behagen wird Ihnen oder Herrn Bürger das wahrscheinlich jedoch alles nicht, und ich bin darüber auch sehr froh: Milius gilt in Deutschland sowieso schon als Inbegriff einer amerikanischen Reaktion.

            Sie schreiben so ja nämlich schon vor was dabei jeweils „gut“ und „schön“ wäre, was von Ihnen zum Beispiel so Beifall bekäme, etwa welche „Kritik“, und was nicht – ja womöglich ohne es zu merken…

            Sie empören sich scheinbar über das Zählen von Kopfschüssen oder anderen Auszeichnungen und fragen sich offensichtlich nicht einmal wie das anders gemeint sein könnte als affirmativ. Wenn sich Menschen etwa gegenseitig freiwillig und gern virtuell „bekriegen“. Sie versuchen es offenbar nicht einmal zu verstehen, sondern bleiben bei der „Gewalt“ sozusagen hängen. Sie sehen scheinbar nur die „Gewalt“ oder den „Krieg“. Und übertragen das dann auf Lebenswirklichkeiten.
            Was „Krieg“ oder „Gewalt“ dort für gewöhnlich heißt.

            Wie und weshalb sich Kreative das ausgedacht haben, welche Intention verfolgend, Absichten, geschweige denn welche Bedeutung(en) das alles in Spielen auch haben könnte – all das wird sich dabei nicht gefragt. Dass viele Trophies mitunter ironisch gemeint sein könnten, als Ausdruck eines gewissen schwarzen Humors, den sie vielleicht dann halt auch wieder nicht teilen. Für zynisch befinden, erneut kein Gedanke…
            Gefällig wäre da nur Zurückhaltung. Doch gerade die möchte ich in meiner (sic!) Kultur nicht haben. Ich glaube auch nicht an „die Kultur“. Gegen den bloßen Gedanken daran sträube ich mich, empfinde ich als Gewalt, als Unwertsurteil. In meiner Kultur hat Negatives jeden Platz. Ja für mich ist Krieg und Gewalt auch niemals etwas Positives, doch möchte ich diese auch nicht ausgeblendet wissen, keine Auseinandersetzung damit missen: dadurch verschwindet kein Krieg und Gewalt aus Lebenswirklichkeiten. Nein.

            Menschen wie ich denken halt nicht so wie Sie, wollen nicht so leben und finden so etwas undemokratisch.
            Da brauche ich gar nicht mehr darauf eingehen, dass hier noch wiederholt Trauerfeierlichkeiten für SoldatInnen angegriffen wurden, und anmerken wie ungeheuerlich zynisch ich es finde, wenn man so etwa durchblicken lässt, dass man der Meinung ist man sei selbst Schuld wenn man sich in so ein Gefahrengebiet auf Militäreinsatz begibt. Das sind nämlich alles reale Menschenleben: einzelne Schicksale.
            Obwohl ich etwa eigentlich nicht an „abgestumpfte“ Menschen glaube, und eine Rede davon bei ComputerspielerInnen wie mir ich schlicht (auch) für menschenverachtend halte, frage ich mich schon, ob es nicht weit eher angebracht wäre so bei diesem „Antimilitarismus“ einer zumindest vermeintlichen Friedensbewegung da einmal eine „Studie“ durchzuführen…
            Ebenfalls brauche ich eigentlich nicht mehr bemerken, dass ich eine Heroisierung von SoldatInnen unter Umstanden für eine sogar sehr gute Sache halte: schließlich verdanke ich persönlich der US-amerikanischen oder auch russischen, militärischen Befreiung meines Landes, dass Menschen wie ich hier heutzutage wenigstens theoretisch überleben können.
            Ein Andenken das ich gerade auch in den älteren Call-of-Duty-Spielen hoch halten möchte.

          • Michael Schulze von Glaßer

            Nochmal: meiner Meinung nach kann die Darstellung von Gewalt in Videospielen sogar förderlich sein. Ich wollte Sie mit meinem Artikel nie angreifen und verstehe auch nicht warum Sie sich angegriffen fühlen: ich habe nie behauptet, dass Spieler gewalthaltiger Videospiele schlechtere Menschen sind oder – so wie es Politiker gern darstellen – amok laufen. Ich – geboren 1986 – gehöre ja selbst zur Generation der Counter-Strike-Spieler und lehne Krieg und Gewalt heute trotzdem ab.
            Worum es mit beim Thema Videospiele geht sind die in den Spielen erzählten Storys und die Verbindungen zum realen Militär. Die Geschichten sind teilweise sehr problematisch – erschaffen etwa stereotype Feindbilder – und auch einige Spielszenen können äußerst kritisch sein – beispielsweise in „Call of Duty: Modern Warfare 1“ das töten der schlafenden Schiffsmannschaft.
            Wenn das Militär oder die Rüstungsindustrie Videospielproduktionen wie auch Filme unterstützt werden dabei Interessen verfolgt. Da ich die Interessen von Militär und Rüstungsindustrie sehr zweifelhaft finde, kritisiere ich auch die unterstützten Spiele und Filme.
            Zuletzt noch zur Heroisierung von Soldatinnen und Soldaten: vergessen Sie nicht, dass dies vor allem im Nationalsozialismus betrieben wurde und wohin dies geführt hat.

  • Ich glaube nicht, dass wir mit Eingriffen in die Videospiele die Themen Gewalt und Krieg aus ihnen verbannen können. Wenn wir ernsthaft wollen, dass sich die Entwickler anderen Inhalten zuwenden, müssen wir zuallererst dafür sorgen, dass es in der Realität keine Kriege mehr gibt. Denn eines hat eine Kunstrichtung wie die Videospiele nunmal an sich, sie reflektiert unsere Wirklichkeit. Deshalb irritiert mich auch ein wenig die behauptete Nähe der Videospiel- mit der der Rüstungsindustrie im Beitrag. Wenn ich mich dazu entschließe, ein „Call of Duty“ zu schaffen, dann werde ich nicht auf technische Grundsätze der Kriegsführung verzichten, ich werde im Gegenteil aktuelle Rüstungstendenzen aufgreifen und verwenden. In vielen Fällen liegt dabei die Fiktion gar nicht so weit der realen Rüstungsentwicklung voraus. Der Warp-Antrieb ist eine reale Vorstellung einer Möglichkeit der Fortbewegung im All – da muss man nicht nachträglich eine Verbindung zur Nasa konstruieren.
    Ich stolpere im Text über die Passage: „… wird Krieg allerdings sehr beschönigend dargstellt und Soldaten werden zu Heroen verklärt…“. Als jemand, der Krieg so sehr hasst wie kaum etwas anderes, halte ich es selbstverständlich mit Victor Hugos Aufforderung „Entehren wir den Krieg!“. Aber die Realität spiegelt sich doch nur im Videospiel wider, geschehen lassen wir sie in unserem täglichen Leben. Und da sind wir sehr weit von dieser Entehrung entfernt. Politiker, die sich über getötete Kriegsgegner freuen, die in ihrem politischen Tun den Krieg als alternativlos bezeichnen, gefallene Soldaten, die wie Helden in die Heimat zurückgeführt werden… Das ist Realität. Und diese Realität findet sich in den Spielen wieder. Zu Recht. Das ist die Aufgabe von Kunst. Auf einen Erich Maria Remarque einzuprügeln, stellt uns als Dummköpfe dar.

    • Michael Schulze von Glaßer

      Das bereits von mir angesprochene Interview mit Peter Bürger über Jugendmedienschutz und Gewalt in Videospielen (und in Filmen) ist jetzt hier online nachzulesen.

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